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Nachruf auf eine Lichtgestalt

Schwarz-Weiß-Nahaufnahme des Gesichts von Dr. Jane Goodall, die lächelt. Die ältere Frau hat Falten, helles, zurückgekämmtes Haar und blickt mit wachen Augen leicht aus dem Bild. Die Aufnahme ist leicht schräg.
© Nikeush/Wikipedia

Gestern ist Jane Goodall gestorben. Mit 91 Jahren. Mitten auf ihrer Vortragstour in Kalifornien. Und ich sitze hier am Waldrand in Steinlah und merke, wie mir die Tränen kommen.

Es gibt Menschen, die verändern nicht einfach die Welt. Sie verändern, wie wir die Welt sehen.

Jane war so ein Mensch.

Die Frau, die den Tieren Namen gab

1960…

Eine 26-jährige Frau ohne akademischen Abschluss betritt die Wälder von Tansania. Die wissenschaftliche Gemeinschaft hat klare Regeln: Tiere bekommen Nummern.

Objektivität. Distanz. Wissenschaft.

Jane sagte: Nein.

Sie gab den Schimpansen Namen. Sie sah sie als Individuen mit Persönlichkeiten, mit Gefühlen, mit Geschichten. Sie setzte sich zu ihnen. Sie wartete. Sie hörte zu. Und die Schimpansen… sie akzeptierten sie. Als die einzige Menschin, die jemals Teil ihrer Gesellschaft wurde.

Ihr größter Durchbruch? Die Entdeckung, dass Schimpansen Werkzeuge herstellen und benutzen können.

Louis Leakey, ihr Mentor, sagte damals: „Jetzt müssen wir entweder unsere Definition von Werkzeug ändern, unsere Definition von Mensch – oder Schimpansen als Menschen akzeptieren.“

Jane öffnete ein Fenster. Ein Fenster zu uns selbst.

Die Hoffnungsträgerin

Was mich an Jane am meisten berührt, ist nicht ihre Wissenschaft. Es ist ihre unerschütterliche Hoffnung.

1986 besuchte sie eine Konferenz über Artenschutz in Afrika. Überall, wo Schimpansen studiert wurden, verschwanden die Wälder. Sie sah die Zerstörung. Die Gier. Den Schmerz. Und sie hätte verzweifeln können.

Stattdessen gründete sie das Jane Goodall Institute. Dann Roots & Shoots, ein Jugendprogramm. Dann TACARE für nachhaltige Entwicklung in afrikanischen Dörfern. Sie reiste 300 Tage im Jahr um die Welt. Mit 91 Jahren war sie noch unterwegs.

Sie trug einen kleinen Stoffaffen bei sich – Mr. H. Ein Geschenk eines blinden US-Marines. Eine Erinnerung daran: Nichts ist unmöglich.

Ihr letztes Buch heißt „The Book of Hope: A Survival Guide for Trying Times“. Darin schreibt sie: „Du brauchst Hoffnung, um anzufangen. Aber dann, durch dein Handeln, erzeugst du noch mehr Hoffnung.“

Das ist es. Hoffnung ist kein passives Warten. Hoffnung ist Handeln.

Was sie mir bedeutete und immer noch bedeutet

Ich bin Fotograf. Mein Earth-Lens-Project dokumentiert die Verbindung zwischen Mensch und Natur. Ich lebe am Waldrand. Ich fotografiere die Details – das Licht auf einem Blatt, die Augen eines Tieres, die Stille zwischen den Bäumen.

Jane hat mir gezeigt: Diese Verbindung ist keine Esoterik. Sie ist Wissenschaft. Sie ist Realität. Wir sind nicht getrennt von der Natur. Wir sind Teil von ihr. Und wenn wir die Natur zerstören, zerstören wir uns selbst.

Aber mehr noch: Jane hat mir gezeigt, dass ein einzelner Mensch die Welt verändern kann.

„Just a person“, wie sie selbst sagte.

Einfach eine Person. Ohne Superkräfte. Ohne akademische Titel am Anfang. Nur mit Neugier, Mitgefühl und dem unbeugsamen Willen, etwas zu bewegen.

Sie hat mir gezeigt, dass Hoffnung eine Entscheidung ist.

Selbst in den dunkelsten Zeiten.

Der Abschied

Gestern Morgen, bevor ich von Janes Tod erfuhr, hatte ich zweimal Libellen-Besuch in meinem Wohnzimmer.

Libellen – Symbole für Transformation, für Leichtigkeit, für die Verbindung zwischen den Welten.

Ich glaube nicht an Zufälle. Ich glaube an „Zu-Fall“ – wenn uns etwas zufällt, weil es dran ist.

Jane ist gegangen.

Aber ihre Energie bleibt. In jedem Menschen, der sich für den Planeten einsetzt. In jedem Kind, das Tiere mit anderen Augen sieht. In jedem von uns, der sich entscheidet: Heute, genau Heute fange ich an.

Danke, Jane

Danke, dass du den Tieren Namen gegeben hast.

Danke, dass du uns gezeigt hast, wer wir wirklich sind.

Danke für deine Hoffnung, die nie erlosch.

Danke für dein Leben im Dienst des Lebens.

Die Wälder werden sich an dich erinnern. Die Schimpansen werden sich an dich erinnern.

Und wir – wir alle, die du berührt hast – wir tragen dein Licht weiter.

Eins steht fest – wir sind uns im körperlichen Leben nie begegnet und dennoch werden wir uns in einem anderen Raum sehen und über alles austauschen, was wir als Menschen auf diesem schönen Planeten erlebt haben.

Bis dahin…

In Liebe und tiefer Dankbarkeit,

Dominique 🙏

„Was du tust, macht einen Unterschied. Und du musst entscheiden, welche Art von Unterschied du machen willst.“ – Jane Goodall

Links:

Dieser Beitrag ist Teil des Earth-Lens-Project – Dokumentation der Verbindung zwischen Mensch und Natur.

Schwarz-Weiß-Porträt von Dr. Jane Goodall, die hinter einem Rednerpult steht und spricht. Sie hält ihren berühmten Plüsch-Schimpansen "Mr. H" vor sich. Im Hintergrund ist ein Banner der US-Mission in Uganda zu sehen.
© U.S. Mission Uganda - https://www.flickr.com/photos/54621517@N08/53138491915/, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=145055722

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